Nach Ossingen und Marthalen startete am 7. September auch Andelfingen ins Gemeinde-, Bildungs- und Energiewendeprojekt «Jede Zelle zählt – Solarenergie macht Schule» (JZZ). Realisiert wird dieses durch ein lokales Crowdfunding. Die Gemeindebevölkerung kauft symbolische Solarzellen und ermöglicht so erlebnisorientierte Bildung zu den Themen Klima und Energie an der Sekundarschule. Eine Solaranlage auf dem Schulhausdach dient als Praxisbeispiel und trägt zur Energiewende bei.

«Es ist ein tolles Gefühl zu wissen, dass der Strom für unsere digital ausgerichtete iPad-Schule zukünftig vom eigenen Schulhausdach kommt», sagt Hermann Wyss, Schulleiter der Sekundarschule Andelfingen. «Mit dem Projekt ‚Jede Zelle zählt‘ arbeiten wir mit unseren Schülerinnen und Schülern an unserer gemeinsamen Zukunft. Wir freuen uns, dass wir nebst einem spannenden Bildungsprogramm dank einer neuen Solaranlage bald auch unseren eigenen, ökologischen Solarstrom produzieren.» Die Sek Andelfingen bezeichnet sich als digitale iPad-Schule. Das bedeutet, dass jede Schülerin und jeder Schüler ein eigenes iPad hat, das nicht nur für den Unterricht, sondern auch privat genutzt werden kann. Die Schüler erhalten Arbeitsmaterialen elektronisch aufs iPad und müssen viel weniger ausdrucken. Die Schule kann so den Papierverbrauch reduzieren.

Schulleiter Hermann Wyss erzählt, was die Motivation war, bei «Jede Zelle zählt» mitzumachen: «Die Idee, auf dem Schulhausdach eine Solaranlage zu realisieren, stand schon länger im Raum. Viele Lehrpersonen finden Klimaschutz wichtig, kommen mit dem Velo zur Arbeit und möchten ihren Ressourcenverbrauch reduzieren. Daher war klar: Wenn wir eine Solaranlage bauen, dann muss das mehr sein, als ein kleines Modell für die Schüler. Wir wollen den ganzen Stromverbrauch der Schule decken.»

Mehr als eine Solaranlage

Geplant ist eine 100 kWp-Anlage, mit dem Ziel den Jahresverbrauch der Schule von 90’000 kWh zu decken. Die Solaranlage dient als Praxisbeispiel für erneuerbare Energien und macht diese für die Schülerinnen und Schüler konkret erlebbar. Gemäss dem Motto «keine Solaranlage ohne Bildung» sensibilisiert «Jede Zelle zählt» so eine ganze Schule für die aktuellen Themen Klimawandel und Energiewende.

«Da der Bau von Solaranlagen nicht in unserer Kernkompetenz als Schule liegt, waren wir sehr froh über die kompetente Unterstützung der Fachpersonen von «Jede Zelle zählt», die viel Erfahrung mitbringen», sagt Hermann Wyss. Der Klimawandel sei ein sehr aktuelles und wichtiges Thema, da liege es in der Verantwortung der Schule, den Schülern mehr beizubringen als Mathe und Deutsch. «Wir finden auch gut, dass «Jede Zelle zählt» ein langfristiges Projekt ist, das eine nachhaltige Wirkung hat.» Im ersten Projektjahr entsteht die Solaranlage auf dem Dach der Schule. Begleitend dazu gibt es Aktionstage wie z.B. einen Baustellentag, wobei die Schüler den Bau der Anlage miterleben. In den vier Folgejahren verpflichtet sich die Schule weiterhin Klima- und Energiebildung in den Lehrplan zu integrieren. Ermöglicht wird dies durch den Verkauf von symbolischen Solarzellen. Wenn die Schule noch einen Schritt weitergehen möchte, und zusätzliche Massnahmen wie die energetische Optimierung der Gebäude umsetzen möchte, dann kann sie sich zur Schweizer Klimaschule weiterentwickeln.

Gemeinsam etwas erreichen

«Jede Zelle zählt» ist ein Gemeinschaftsprojekt und zeigt Wirkung weit über die Schulgrenzen hinaus. Denn die ganze Gemeinde wird involviert. Für das Gelingen des Projektes ist die Schule auf die Unterstützung von lokalem Gewerbe, Vereinen und der Gemeindebevölkerung angewiesen. Mit dem Kauf von symbolischen Solarzellen für 40.- Franken werden den Schülern Aktionstage, Projektwochen und Exkursionen zu den Themen Klima, Energie und Umwelt ermöglicht. Unter jzz.ch/andelfingen entsteht so ein virtuelles Solardach – und eine lokale Community.

«Der Gedanke des Crowdfundings war neu für uns als Schule», erzählt Hermann Wyss. Die Schule denke normalerweise vor allem an die Schüler. Das Projekt hat jedoch das Potenzial, eine ganze Gemeinde für die Themen Klimawandel, Energiewende und Umweltschutz zu sensibilisieren – angefangen bei den Eltern, über lokales Gewerbe und Vereine. Dabei wird mit dem Verkauf der symbolischen Solarzellen nicht die Solaranlage finanziert. Das Geld fliesst ins Klimakässeli und ermöglicht der Schule Aktivitäten zu den Themen Klima und Umwelt, die über den normalen Lehrplan hinausgehen.

Erlebnisorientierte Bildung

Mit einem Klimaworkshop und einem Actionbound ist die Sek Andelfingen dann auch direkt ins Projekt gestartet. Bei einem Postenlauf lernten die Schülerinnen und Schüler auf spielerische Art den Treibhauseffekt kennen sowie seine Folgen für das Klima und die Menschen. Joel und Jannis (beide 14) hatten Spass: «Bei diesem schönen Wetter draussen zu sein, ist viel besser als Mathe-Unterricht. Wir haben aber auch etwas zu Klimaerwärmung, Ernährung und Energie gelernt und dass es gut ist, Velo zu fahren.» In der Pause gab es Glacé aus dem Solarkühlwagen. Die Schülerinnen und Schüler erlebten so direkt, wie mit der Energie der Sonne Strom erzeugt werden kann. Parallel zum Klimapostenlauf gab es eine digitale Schnitzeljagd, bei der die Schüler im Umkreis der Schule bis an die Thur Posten finden mussten, dort jeweils mit dem iPad einen QR-Code scannen und eine Frage zu Energie, Strom und grauer Energie beantworten. Weitere Aktionstage zu den Themen Energie, Umwelt und Klima folgen im Laufe des Schuljahres.

Solarenergie macht Schule

Was 2012 als Pilotprojekt in Winterthur begonnen hat, entwickelt sich zu einer nationalen Kampagne. Nach dem Oberstufenschulhaus Rychenberg, der Sekundarschule Oberseen und der Freie Schule Winterthur folgten weitere Schulen, die lokal etwas bewirken wollten. Die Sekundarschule Breiti in Turbenthal ging nach Abschluss des Projektes «Jede Zelle zählt» sogar noch einen Schritt weiter und wurde diesen Sommer von myblueplanet für ihr zusätzliches Engagement für Umwelt und Klima als erste «Klimaschule» der Schweiz ausgezeichnet. Aktuell laufen im Kanton Zürich weitere JZZ-Projekte in Eglisau und Dietlikon. Die Sekundarschule Unteres Furttal startet Ende September. Schweizweit sind es bereits 15 Schulen, die sich mit «Jede Zelle zählt» für erneuerbare Energien und Klimaschutz einsetzen.

Medienmitteilung zum Herunterladen:

070917_Medienmitteilung_JZZ_Andelfingen

 

Bilder:

220 Schülerinnen und Schüler der Sek Andelfingen starten ins Projekt "Jede Zelle zählt".

220 Schülerinnen und Schüler der Sek Andelfingen starten ins Projekt „Jede Zelle zählt“.

Beim Leiterlispiel haben die Schülerinnen und Schüler mehr über klimafreundliches Verhalten gelernt.

Beim Leiterlispiel haben die Schülerinnen und Schüler mehr über klimafreundliches Verhalten gelernt.

Eine Stafette gehörte zum Posten "Treibhauseffekt".

Eine Stafette gehörte zum Posten „Treibhauseffekt“.

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Körpereinsatz war gefragt beim Posten zum Thema „Treibhauseffekt“.

Kampf um Kärtchen mit gesunden Lebensmitteln beim Spiel "Klimamenu".

Kampf um Kärtchen mit gesunden Lebensmitteln beim Spiel „Klimamenu“.

Joel und Jannis hatten Spass beim Klimaworkshop.

Joel und Jannis hatten Spass beim Klimaworkshop.

Glacé aus dem Solarkühlwagen.

Glacé aus dem Solarkühlwagen.

Bilder zur freien Verfügung (Felix Haldimann, JZZ)